Das Geschäft mit dem Wald


Als wir im März 2013 durch ein Waldgelände im norddeutschen Syke streiften, fielen uns wahllos gefällte Bäume auf, die achtlos und kreuz und quer im Wald herumlagen. Viele der gefällten Bäume waren uralt, was an der Stammdicke und den Baumringen erkennbar war. Was uns am allermeisten erstaunte: die meisten Bäume waren gesund! Und in den meisten Fällen schien es sich auch nicht um die typische Ausdünnung des Waldes zu handeln, die man macht, um Platz für die Bäume zu schaffen. Es kam uns eher so vor, als hätte hier ein bewusstes Abholzen aus Profitgründen stattgefunden. Wie eine Art „Massaker“ kam es uns vor, welches an den Bäumen verübt worden war. Im Laufe des Winters 2012/13 waren uns weitere Waldgebiete im norddeutschen Raum aufgefallen, in denen dasselbe passierte. Überall schienen sehr sehr viele Bäume gefällt zu werden. Warum?

Erst im Herbst fanden wir darauf eine Antwort. Denn die „Lichtsprache“ bekam Kontakt zu einem Förster, der uns darüber aufklären konnte, warum so viel Holz geschlagen wird. Offensichtlich hat die Bundesregierung nach dem Sturm Kyrill im Januar 2007, der großen forstwirtschaftlichen Schaden angerichtet hatte, einen Vertrag über sieben Jahre Laufzeit mit Holzwerken, sprich: der Industrie, geschlossen, der auf Jahre immer erfüllt werden musste.

Die vielen durch den Sturm entwurzelten Bäume gaben eine große Menge Holz ab, das verkauft wurde. Es wurden Verträge über weitere große Holzmengen in demselben Umfang geschlossen, obwohl das Holz dafür gar nicht zur Verfügung stand – es sei denn,  man rechnete mit weiteren Sturmschäden. Man verpflichtete sich, der Industrie jährlich mindestens 500.000 Festmeter Holz zu liefern, und zwar bis zum Jahr 2014. Im Speziellen war es das Bundesland Nordrhein-Westfalen, das solch einen Vertrag mit den österreichischen Klausner-Werken vereinbarte. Schon bald erkannte die Landesregierung von NRW jedoch, dass der Vertrag nicht zu erfüllen ist und begann, weniger bis kein Holz mehr zu liefern, woraufhin ein Rechtsstreit begann. Unser Förster sagte im Interview, dass sie große Schwierigkeiten haben, das Holz zusammenzubekommen, das zur Erfüllung dieses Vertrages benötigt wird.

Weitere Recherchen ergaben, dass im Winter 2012 – nachdem die Rechtslage entschied, dass die Klausner-Werke auf die Erfüllung des Vertrages bestehen dürfen, das Land NRW aber keine Schadensersatzzahlungen leisten wollte, die Klausner-Werke das Land NRW aufforderten, alle überfälligen Holzlieferungen für die Jahre 2010 bis 2012 nachzuliefern und ebenso die künftigen Lieferungen bis 2014 einzuhalten. Weil sich NRW weigerte, hat sich die Industrie offensichtlich selbst bedient und illegal gesunde Bäume abgeholzt, so unsere Vermutung. Denn genau zu der Zeit, als die radikale Abholzung deutscher Wälder überall zu beobachten war, sicherten sich die Klausner-Werke durch den Erlass einer einstweiligen Verfügung einen Zugriff auf die Wälder. Das Land NRW einigte sich schließlich darauf, das Holz zu schlagen, während die Klausner-Werke dasselbige abtransportieren wollten. Für die Monate bis Oktober 2013 sollte den Werken Holz zur freien Verfügung sichergestellt werden.

Gleichzeitig verrotten aber auch große Mengen an Holz, weil es zur Bereitstellung an die Industrie geschlagen, aber nicht abgeholt wird. Das hängt wiederum mit den Preisen zusammen, denn der Holzpreis sank nach Kyrill und stieg später wieder an. Letzteres sah die Industrie natürlich nicht gerne. Auch wird den Förstern der Privatwälder, von denen es in Deutschland viele gibt, nahegelegt, mehr aufzuforsten, um Holz zur Verfügung zu stellen, damit die Staatswälder geschont werden, wie uns unser Förster erzählte, der selbst Förster eines Privatwaldes ist.

Der Wald, der eigentlich unsere „grüne Lunge“ sein und uns allen gehören sollte, wird also für Profitzwecke „verkauft“. (SK)

Ein Film von uns über das Geschäft mit dem Wald findet sich hier: http://www.youtube.com/watch?v=esCoKFcl1fs

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