Was Plutos neuer Status

symbolisch bedeutet

von Susanne Sejana Kreth

 

Pluto, der ehemalige neunte Planet unseres Sonnensystems, ist per definition nur noch ein Zwergplanet und wird unter der Nummer „134340 Pluto“ geführt. Astrologen müssen nun etwas umdenken, denn obwohl Pluto energetisch und symbolisch nach wie vor Pluto ist, und kein Astrologe Skorpion damit einen neuen Planeten zuordnen wird, verändert sich mit der Neudefinition doch das Gewicht seiner Bedeutung.

Pluto repräsentiert in der Astrologie unsere Schattenanteile und das, was wir an Karma, an vergangenem Erbe mitbringen. Das plutonische Prinzip ist das des radikalen Wandlungsprozesses, indem wir durch unsere dunkle Seite gehen, sie annehmen und erlösen. Pluto symbolisiert aber auch die stark vorstellungsgebundene Seite unserer Wahrnehmung (im Gegenzug zur intuitiven) und sorgt in der Psychoanalyse für die Gefangenheit im abstrakten Ideal. Zusammen mit Skorpion und dem ihm zugeordneten 8. Haus repräsentiert er neben dem Tod all das, was wir im Leben schmerzlich zu überwinden suchen: Abhängigkeiten, Krankheitsprozesse, die radikale Veränderungen im Körper vornehmen (wie Krebs oder Operationen), Fanatismus und vorstellungsgebundene Ideale sowie Zwangsvorstellungen wie „Ich muss abnehmen“ bis hin zu Neurosen.

Das plutonische Prinzip ist das der Macht (mit dem oft gelebten Gegenpol der Ohnmacht). Es zeigt die dunkle Seite des Lebens, vor der wir Angst haben, die wir nicht sehen wollen und die oft verdrängt wird. Pluto als Gott der Unterwelt zwingt uns, nach Innen zu schauen und sich den inneren Dämonen zu stellen. Er symboli-siert auch das Prinzip des Getrenntseins (im Gegenzug zum Bewusstsein der Einheit).

Schlussendlich laufen alle Prozesse von Pluto/Skorpion auf Wandlung hinaus. Das derzeitige Kriegsgeschehen im Mittleren Osten ist ebenso ein Zeichen von Pluto wie das Gebaren der „Dunklen“, der Kräfte der Finsternis und ihre Versuche, die Menschheit auf niedrig schwingendem Niveau zu halten. Pluto repräsentiert den Feind, den wir im Außen suchen, den wir aber in uns selber finden müssen, um uns mit ihm aussöhnen zu können.

Das Interessante an Plutos Degradierung ist, dass genau diese Themen, die Pluto verkörpert, in der Phase des Aufstiegs von größter Bedeutung sind, denn es geht um die Überwindung unserer Schattenseiten, die Dunkelseite auf unserem Planeten, die mit Angst operiert, um Karmabereinigung und -überwindung, um das Erbe vergangener Zeitepochen wie Lemuria und Atlantis mit der Urangst und allem, was damit (für unsere Psyche) verbunden ist.

Es geht um Echtheit unseren Gefühlen und unserer Intuition gegenüber, anstatt vom Verstand und aus von Furcht gesteuerten Motiven und Zwängen zu handeln. Im Aufstieg geht es um ein neues Verständnis gegenüber dem Begriff des Todes, indem wir lernen, ihn als Übergang zu sehen und das Prinzip der Reinkarnation als normalen Zyklus auf Erden anzuerkennen.

Gefangenschaft wird zwar eher dem saturnischen Prinzip zugeordnet, betrifft jedoch vor allem das äußere Verließ. Die innere Gefangenschaft, die Abhängigkeit von etwas oder jemandem, mit all der Machtlosigkeit, die damit einhergeht, wird jedoch von Pluto repräsentiert.

Die Gefangenschaft von Natascha Kampusch

Der Fall Natascha Kampusch symbolisiert das Saturn- und das Pluto-Prinzip, denn sie lebte gegen ihren Willen auf engstem Raum, in einem winzigen Gefängnis (Saturn) und wurde mit der Zeit abhängig von ihrem Entführer Wolfgang Priklopil, dem Mann, der sie rund um die Uhr bewachte, der aber auch zu ihrer einzigen Bezugsperson wurde. Zeitgleich mit Plutos Definitionsänderung brachte sie den Mut auf und verließ ihre Gefangenschaft, befreite sich von acht Jahren Dunkelheit und Eingesperrtsein, Ohnmacht und Angst – alles plutonische Eigenschaften.

Als sie sich den Medien stellte, hatte man den Eindruck, sie sei kein Opfer, und dass sie in gewisser Weise sogar Macht ausübt. Nicht etwa, um sie zu missbrauchen, wie ihr Entführer es getan hat, sondern in Form von starker Selbstbestimmung, um sich die Eigenermächtigung zurückzuerobern, die ihr als 8-jährige genommen wurde. Dadurch übte sie große Wirkungskraft auf die Massen aus – ebenfalls ein plutonisches Prinzip.

Die positive Seite der Macht Plutos ist die Eigenermächtigung, die nun in uns allen Einzug halten kann, wenn wir gelernt haben, Pluto und seine Schattenseiten zu integrieren. Die radikalen Einschnitte, die Pluto uns beschert, sind die tiefgreifensten Lernlektionen, die man hier auf Erden haben kann, weshalb aus ihnen auch immer tiefe Wandlungsprozesse hervorgehen.

Und wir befinden uns in einem tiefgreifenden Wandel, der bereits seit fast 20 Jahren im Gange ist. Jeder von uns hat mit seinem eigenen Pluto zu tun. Er zerschneidet die Bänder zu Dingen, an die wir uns gebunden haben, die wir aus unserer Vorstellung her meinen zu brauchen, von denen wir abhängig sind. Pluto zeigt, wo wir zwanghaft handeln, wo wir neurotische Züge entwickelt haben, wo wir von etwas süchtig geworden sind und wo wir uns unser eigenes Gefängnis gebaut haben. Pluto und das skorpionische Prinzip repräsentiert auch den Abschied, das Loslassen – von eben diesen Vorstellungen, Idealen, Abhängigkeiten oder von Menschen, die den Tod gewählt haben (so wie Wolfgang Priklopil sich nach Natascha Kampuschs Flucht das Leben nahm). Es bedeutet, loszulassen von alten Gewohnheiten, Sicherheiten oder Vorstellungen, die uns einmal behilflich waren, uns nun aber einschränken.

Und so stellt Pluto einen Hauptteil dessen dar, was wir im Transformationsprozess durchleben: Das Loslassen von Altem, das Sich-Einlassen auf eine neue Unabhängigkeit, den Prozess des Erlösens der eigenen Schattenseiten und des Karmas bis hin zur Annahme der Eigenermächtigung, womit die Wandlung vollzogen wird. Diese führt uns vom Bewusstsein der Polarität mit seiner Trennung zwischen Yin und Yang hin zum Bewusstsein der Einheit, dem Ziel des Aufstiegs der Menschheit.

Indem Pluto nun „kleiner“ geworden ist, wird umso klarer, dass die Macht der Polarität schwindet, dass der Einfluss der dunklen Kräfte weniger wird, dass wir unsere Schattenseiten und unser Karma bereinigen und erlösen und dass Energien, die Gefangenschaft betonen (die Diskussion um Guantanamo gehört ebenso dazu!), abnehmen, dass Kräfte, die den Menschen abhängig machen, keine Macht mehr haben, und dass all das, was uns von unserer Eigenermächtigung abhält, sich nun reduziert, um bald zu verschwinden. Vielleicht ist das Plutos Geschenk an uns. Seit 1930, als Clyde Tombaugh ihn entdeckte, haben wir Kriege, Unterdrückung, die Atombombe, Aids und Krebs erlebt – alles plutonische Prinzipien.

Es ist, als ob Pluto nun seine Kraft auf uns übertragen hätte und sich nun zu den Zwergplaneten zurückzieht, weil seine Mission, uns als Planetensymbol zu dienen, erfüllt ist. Wir sind nun selbst ermächtigt und haben all das, was er verkörpert, integriert. (SK)

© Susanne Sejana Kreth  (erschienen in LICHTSPRACHE Nr. 46, Okt. 2006)

 

 

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