Visionen zur Zukunft des Geldes und der Wirtschaft – Teil 7

Der gewinnbringende Schuldenberg

Es war einmal ein Mann namens Rothfell. Er war Goldschmied und ein Meister seines Fachs. Er lebte in einem Dorf, wo jeder Bürger friedlich seiner Beschäftigung nachging. Brauchte man neue Schuhe, so gab man dem Schuhmacher ein Schwein dafür, oder was man auch immer als Arbeit verrichtete. Jeder der Dorfbewohner war so mit allem versorgt, was er zum Leben brauchte, denn es wurde einfach das eine gegen das andere eingetauscht.

Eines Tages hatte Rothfell den Einfall, den bestehenden Tauschhandel in ein neues System zu überführen, das effektiver war. War ein Scheffel Korn ein echter Gegenwert für eine Sense? War eine Angelrute mehr Wert als zehn Fische? Zahlte sich ein Schwein gegen ein Schaf aus? Ein einheitliches System muss her, beschloss er. Da Rothfell ein angesehener Bürger des Dorfes war, stellte er sich eines Tages auf den Marktplatz und verkündete, dass man sich ein neues System überlegen müsse. Und er hätte auch schon eines im Kopf. Das Gold, aus dem er normalerweise Schmuckstücke herstellte, sei er bereit für die Prägung von Münzen herzugeben. Gold zersetze sich nicht, und es verliere nicht an Wert, betonte er. Jede dieser Münzen werde ein Rubel genannt, schlug er vor. Dann erklärte er die Größenordnung der „Werte“ und schlug vor, das neue Tauschmittel „Geld“ zu nennen. Die meisten Bürger stimmten überein, dass dieser Beschluss vernünftig war. Allzu beschwerlich war es ja, immerzu die Dinge mit sich herumzuschleppen, die man eintauschen wollte. Ein paar Leute äußerten ihre Zweifel. Doch nachdem die Bürger einige Zeit debattiert hatten, erhob Rothfell seine Hand, wartete, bis es ruhig war und sagte: „Ich schlage vor, wir probieren dieses System einfach für ein Jahr aus. Ihr bekommt die Anzahl Münzen von mir, die Ihr für die Führung Eures Geschäftes braucht. Ihr könnt so viele haben, wie Ihr wollt! Das einzige, worauf ich achten muss, ist Eure Rückzahlungsfähigkeit. Je mehr Münzen Ihr jetzt nehmt, umso mehr Münzen müsst Ihr in einem Jahr zurückbezahlen. Vergesst das bitte nicht.“ Er lächelte.

„Und was bekommst Du als Leihgebühr fürs Gold und für all Deine Arbeit, Rothfell?“ rief der Gastwirt.

„Dadurch, dass ich die Münzen liefere, leiste ich einen Dienst. das berechtigt mich, für meine Arbeit entlohnt zu werden. Richtig?“

„Natürlich“, stimmte der Gastwirt zu.

„Für je 100 Münzen, die Ihr von mir erhaltet, zahlt Ihr mir deshalb nach einem Jahr 105 Münzen zurück. Die 5 Extramünzen sind meine Gebühr, und ich nenne diese Gebühr „Zinsen“. Einverstanden?“

Man besprach sich weiter, aber keiner konnte einen besseren Vorschlag machen. Schließlich erhoben alle ihre Hand in Übereinstimmung mit Rothfells Vorschlag. Fünf Münzen als Gebühr waren ja wirklich nicht so viel. Außerdem war Rothfell einfach brillant! Seine Idee allein war den „Zins“ wert, fanden die Bürger. „Kommt nächsten Freitag zu mir“, verkündete er. „Wir werden dann mit dem neuen System anfangen.“

Einführung des Geldsystems

Rothfell eilte nach Hause und fing sofort an, Münzen herzustellen. Am darauffolgenden Freitag, einem 13., war es soweit. Die Leute eilten zu ihm in den Laden und der Stadthalter prüfte und bewilligte die Münzen. So war das „Rothfell-System“ eingeführt.

Einige Bürger liehen sich nur wenige Münzen, andere machten von der ungewöhnlichen Möglichkeit, die sich ihnen bot, im größeren Umfang Gebrauch. Aber richtig trauen tat keiner der neuen Regelung. Erst wollten sie Beweise, ob das System auch funktioniert. Doch allein, dass sie nun kein ganzes Schwein mehr transportieren, sondern nur noch eine Münze mit sich tragen mussten, war Beweis genug für die Funktionsfähigkeit des neuen Systems.

Schon bald war alles in Münzen oder Rubel bewertet, und die Veranschlagung des Wertes wurde „Preis“ genannt. Die Preise ergaben sich durch Einschätzung der Arbeitsleistung, die gebraucht wurde, um einen Artikel herzustellen. Der Preis war hoch, wenn viel Arbeit erforderlich war, und niedriger, wenn wenig Mühe angewandt wurde, ihn herzustellen.

Konkurrenz belebt das Geschäft – oder?

Für eine längere Zeit lebten sie alle zufrieden und glücklich.

Im Dorf lebte ein Uhrenfabrikant namens Rolleggs. Er war ein vornehmer Uhrenmacher, und er war der einzige Uhrenhersteller. Seine Preise waren maßlos, weil seine Kunden willig waren, alles zu bezahlen, nur um eine wasserfeste Uhr zu haben. Dann kam ein weiterer Uhrenmacher ins Dorf, der Citizen hieß. Er bot seine Uhren zu niedrigen Preisen an, damit auch ein paar Kunden den Weg zu ihm finden konnten. So war Rolleggs gezwungen, seine Preise herabzusetzen. Bald nahm man eine „Dominostein-Wirkung“ in allen Geschäftsbereichen wahr. Die Leute bemühten sich, die allerbeste Qualität für den besten Preis anzubieten. Und damit war der freie Wettbewerb geboren!

Und so steigerte und steigerte sich der Lebensstandard, und bald wunderten sich die Menschen, wie sie je ohne das „Rothfell-System“ ausgekommen waren.

Fünf Prozent fehlen immer

Ungefähr ein Jahr nach der Einführung seines Wirtschaftswunders machte Rothfell die Runde. Er suchte die Leute, die ihm Geld schuldeten, alle persönlich auf. Einige hatten mehr angesammelt, als sie ihm schuldeten und bezahlten gerne die geliehene Summe zurück. 5 Münzen für je 100 Münzen, mit denen sie für ein Jahr gewirtschaftet hatten, fügten sie ohne Widerwillen hinzu. Dann liehen sie sich erneut Geld, um innerhalb des Systems weiter bestehen zu können.

Aber einige andere waren nicht so erfolgreich. Sie hatten weniger Münzen als zu Anfang. Zu ihrem Schrecken stellten sie jetzt fest, dass sie nun eine „Schuld“ hatten.

Rothfell zeigte Mitleid und versicherte ihnen, dass ein neues Jahr vor ihnen lag, in dem sie leicht den Spieß umdrehen könnten. Er bot ihnen an, ihnen mehr Geld zu leihen, so dass sie mit ihrem Lebensstil fortfahren konnten. Aber er bestand auf einem Pfand über einige ihrer Güter - als Sicherheit wohlgemerkt!

Diejenigen, die einen Fehlbetrag zum ursprünglichen Darlehen hatten, sei es auch nur die Summe der extra 5 Münzen, die sie benötigten, um ihre Schuld bei Rothfell auszugleichen, gingen hin und versuchten noch einmal, die extra 5 Münzen zu erstehen. Keiner bemerkte, dass die gesamte Gemeinde als solche nie aus den Schulden herauskommen konnte, bis alle Zinsen, zuzüglich der geliehenen Münzen zurückbezahlt waren. Sie waren nicht fähig, das „Rothfell-System“ bis zum Ende zu durchdenken, sondern waren einfach glücklich darüber, keine Schweine mehr herumschleppen zu müssen. Das kann man ja auch gut verstehen! Darüber hinaus hatten sie ein ganzes Jahr vor sich! Morgen ist ein neuer Tag, und es wird schon alles werden.

Rothfell aber hatte das System bis zum Ende durchdacht. Er wusste, dass er die extra 5 Münzen nie ausgeliehen hatte und dass sie gar nicht im Umlauf waren!! Viele hatten deshalb einfach zurückzustehen. Und so konzentrierte er sich auf die Verpfändung des Eigentums dieser armen Menschen. Nur aus Sicherheit wohlgemerkt!

Natürlich gab Rothfell einige Münzen für sich aus, doch nur von dem Häufchen, das durch die 5 Extramünzen an Zinsgebühren erwirtschaftet wurde. Existieren taten diese in Wirklichkeit nicht. Aber sie bescherten ihm ein schönes Leben. Und er hatte ja auch noch seine Goldschmiede. Obwohl ihm dieses Handwerk keine Freude mehr machte, gab es ihm trotzdem noch sein übliches Einkommen.

Sicherheit muss sein!

Nach langer, bedächtiger Überlegung baute er eines Tages einen Teil seines Ladens in einen Tresor um. Dann organisierte er eine Bande von Strolchen, die einige nichts ahnende Bürger um ihre Goldmünzen erleichterten. Er sorgte dafür, dass die Vorfälle schnell bekannt wurden und bald empfanden es die Leute als nützlich, einige ihrer Goldmünzen bei ihm aus „Sicherheitsgründen“ zu deponieren. Für diesen Dienst verlangte er eine angemessene Summe. Beim Erhalt der Münzen schrieb er „Quittungen“ (Empfangsscheine) aus, die er den Deponenten überließ.

Goldmünzen sind schwer und Empfangsscheine wiegen nichts. Bald tauschten die Besitzer von „deponierten Münzen“ nur noch Rothfells Papierbelege im Wert der erworbenen Waren aus. Die Ladenbesitzer akzeptierten die von ihm gezeichneten Scheine gerne, mit der Absicht, diese in Münzen umzutauschen, wann immer sie wollten.

Aber Menschen sind von Natur aus faul, besonders in einer Wohlstandsgesellschaft. Viele Kaufleute waren zu bequem, die Goldmünzen aus Rothfells Laden zu holen. Darum wanderten die Quittungen von einer Hand in die andere, von Geschäft zu Geschäft, vom Totengräber zum Uhrenmacher, anstatt dass das Gold selbst von Eigentümer zu Eigentümer wechselte.

Doppelt hält besser

Rothfell brauchte nicht lange, um festzustellen, dass die Ausdehnung seiner ursprünglichen Idee Wurzel gefasst hatte. Es war ganz ungewöhnlich geworden, dass noch jemand nach dem Gold im Tresor fragte. Und so beschloss er, einen Teil der deponierten Münzen an jeden auszuleihen, der ihm dafür Zinsen zahlte. Das war einfach, denn dann bräuchte er kaum noch neue Münzen herzustellen. Und so begann Rothfell, Geld zu verleihen, das ihm nicht gehörte.

Zu Anfang war er sehr wählerisch und verlangte unerhörte Sicherheiten. Darüber hinaus beschränkte er seine Leihgeschäfte auf kleine Beträge. Aber mit der Zeit wurde er waghalsiger, und größere Mengen von Münzen wechselten den Besitzer.

Niemand hatte bemerkt, dass inzwischen das Geld doppelt verliehen worden war.

Eines Tages wurde Rothfell um eine wirklich enorme Anleihe angegangen. Des Mannes Kreditwürdigkeit war einwandfrei und die Sicherheiten mehr als befriedigend. Die Anleihe wurde bald bewilligt. Im Beisein des Kunden öffnete Rothfell die Tresortür einen kleinen Spalt und zwängte sich in das Innere, wo die Goldmünzen hochgestapelt lagen. Schnell machte er ein paar Leibesübungen, um sich ins Schwitzen zu bringen. Mit gespielter Anstrengung schleppte er nacheinander drei Eimer Münzen aus dem Tresor, baute sie umständlich vor dem Kunden auf und bemerkte schließlich dem schmächtigen Kunden gegenüber: „Wenn ICH hier schon so viel Arbeit mit den vielen Münzen habe, was muss es DIR dann erst Mühe bereiten?!“ Der Kunde sah plötzlich ängstlich aus und gab ihm Recht. „Ich habe eine Idee, die Dir viel Mühe ersparen wird!“ sagte Rothfell schnell und legte eine Hand auf den Arm des Kunden. „Wirklich?“ fragte dieser. „Jawohl!“ Entschlossen und überzeugend schlug er ihm nun vor, anstatt der vielen Münzen, die er mit sich herumtragen müsse, eine Einlage auf seinen Namen zu machen. „Ich werde Dir eine Anzahl von Empfangsbescheinigungen geben, die den Gegenwert der Münzen darstellen. Du kannst diese Bescheinigungen an Stelle der echten Münzen verwenden. Was hältst Du davon?“

Der Kreditnehmer betrachtete Rothfells verschwitztes Äußeres und stimmte dann schnell zu. Die Münzen wurden wieder in den Tresor zurückgetragen, diesmal mit Leichtigkeit, und Rothfell stellte mehrere Quittungen aus.

Nachdem der Kunde gegangen war, wischte Rothfell zufrieden seine Hände ab. Er hatte es fertiggebracht, eine Goldanleihe zu machen und trotzdem alle Goldmünzen in seinem Tresor zu behalten.

So betrieb Rothfell friedlich sein Geschäft mit dem Herausgeben von Empfangsscheinen und verlieh Geld, das ihm nicht gehörte, zu einem vielfachen Wert der Goldmünzen in seinem Tresor. Er war unantastbar, solange die wirklichen Besitzer nicht nach ihren Goldmünzen fragten und solange die Leute seinen Transaktionen vertrauten. Um dieses Vertrauen zu beweisen, legte er ein Buch an, in dem er den Nachweis über jede Transaktion führte. Er trug Schulden und Guthaben von jedem seiner Kunden ein. Die Schulden auf der einen Seite, die Guthaben auf der anderen.

Rothfells Kreditgeschäft trug Früchte, was nicht ohne Folgen blieb, denn Wohlstand verbessert den gesellschaftlichen Status. Sein Ansehen stieg im direkten Verhältnis zu seinem Reichtum. Er war jetzt wichtig, und er verlangte Achtung.

Geheimbünde

Goldschmieden von verschiedenen Gemeinden wurden auf seinen Erfolg aufmerksam und wollten wissen, was für einen Geschäftsscharfsinn er besaß, um so einen positiven Einfluss auf die Menschen auszuüben. Eines Nachts versammelten sie sich und besuchten ihn. Rothfell begeisterte sie für seinen Erfolg, doch wie bei allen „Zaubereien“ betonte er, müssten die Tricks geheim gehalten werden, damit man sie jederzeit wiederholen könnte. Mit Nachdruck erklärte er ihnen, dass sein Plan den „Massen“ nicht zugänglich gemacht werden dürfte, denn er würde mit Sicherheit fehlschlagen, wenn es irgendjemandem gelänge, durch des Kaisers neue Kleider zu sehen. So schworen sie Geheimhaltung und verbündeten sich mit ihm.

Gestärkt von seinen Belehrungen gingen die Goldschmiede in ihre eigenen Dörfer zurück, um Rothfells Lektionen umgehend in die Tat umzusetzen. Es dauerte auch gar nicht lange, bis die Leute überall akzeptierten, dass Empfangsbescheinigungen so gut wie Gold waren. Als dann eine weitere Bande von angeheuerten Strolchen eine Reihe von solchen Bescheinigungen von einigen Mitbürgern stahlen, und als diese Überfälle allgemein bekannt wurden, begannen die Menschen, ihre Empfangsscheine zu deponieren. Die Goldschmiede, die die Scheine gerne für die Bürger aufbewahrten, wurden bald der „Retter in der Not“.

Nachdem es üblich geworden war, das Gold und die Empfangsscheine in Rothfells Tresor zu lagern, verlockte er Kaufleute und Handwerker, die für Waren oder Dienstleistungen bezahlen wollten, einfach ihm – Rothfell – ein Briefchen zu schreiben, mit der Anweisung, Geld von ihrem Konto auf das des anderen, dem das Geld geschuldet wurde, zu übertragen. Diese Ausweitung des Systems wurde schnell bekannt, und weil die meisten Zettel in der Gemeinde von Boten herumgetragen wurden, wurden diese Zahlungsanweisungen bald „Schecks“ genannt.

Nach Rücksprache mit den anderen Goldschmieden wurden alle Stadthalter zusammengetrommelt und Rothfell schlug etwas vor. „Die Empfangsbescheinigungen, die wir nun schon eine geraume Zeit herausgegeben haben, sind äußerst beliebt geworden. Es gibt gar keinen Zweifel darüber, dass alle sie in ihrer Anwendung einfach finden.“ Die Stadthalter nickten bestätigend. Rothfell fuhr fort und erzählte, dass eine Anzahl der Empfangsscheine nachgeahmt wurden … von Fälschern! „Und Ihr, die Beschützer des Volkes, müsst sofort etwas dagegen unternehmen!“ So schlug er vor, die Scheine künftig auf unverfälschbarem Papier zu drucken. Das Papier solle Muster enthalten, die man nicht nachahmen könne. Die Goldschmieden würden auch die Druckkosten übernehmen.

Aber Rothfell hatte noch ein Anliegen, das ihm am Herzen lag. „Wir, die Herausgeber von Münzen, die Urheber des „modernen Zahlungsverkehrs“, haben entdeckt, dass Strolche in die Berge gegangen sind, um nach Gold zu graben. Ihre gefälschten Goldmünzen sind in unserem System im Umlauf! Deshalb muss sofort ein Gesetz herausgegeben werden, damit alles Gold, das gefunden wird, der Regierung ausgehändigt wird.“ Alle waren einverstanden. Man einigte sich darauf, die Goldgräber mit Geldscheinen zu entschädigen. „Und mit unseren Münzen“, fügte Rothfell hinzu.

Geldscheine ersetzen das Gold

Und so begann die Regierung, eine große Anzahl von Geldscheinen zu drucken, jeder mit einem bestimmten Wert wie 1 Rubel, 2 Rubel, 5 Rubel, 10 Rubel und so weiter. Und die Goldschmieden bezahlten die Druckkosten mit dem größten Vergnügen.

Die Geschäftsleute machten nur zum Teil von den neuen Scheinen Gebrauch. Schecks sorgten noch immer für 90 Prozent aller Finanztransaktionen. Doch vom „kleinen Mann“ wurden die Geldscheine schnell akzeptiert. Papier war leicht herumzutragen, und das Ausgeben war noch leichter. Bis zu einem gewissen Grade blieben sogar die Münzen im Umlauf. Doch die Schecks gewannen mehr und mehr an Bedeutung.

Bald hatte Rothfell eine neue Idee. Währen die Leute ihm bisher Geld dafür gezahlt hatten, dass er ihre Münzen und Scheine im Tresor verwahrte, bot er ihnen nun an, dass er ihnen 3 Prozent geben würde, wenn sie ihr Geld in seiner Stahlkammer hinterlegten. Dafür würde er ihr Geld an andere für 5 Prozent ausleihen. Indem er ihnen davon 3 Prozent zahlte, läge sein Profit bei (nur) 2 Prozent. Anständiger Kerl, stimmten sie alle überein.

Nun wuchs das Volumen der Sparbeträge und wuchs und wuchs, und mit all diesen Summen, die Rothfell im Hinterzimmer seines alten Geschäftes hütete, war er nun fähig, Geld durch einfache Eintragungen in sein Buch zu verleihen. 100, 300, 500, manchmal bis zu 900 Rubel wurden in Geldscheinen oder Münzen, die in seiner Verwahrung waren, verliehen. Aus früherer Erfahrung wusste er, dass er darauf achten musste, das Verhältnis 9:1 nicht zu überschreiten, da einer von zehn Kunden tatsächlich sein Geld oder seine Münzen für Geschäftsabwicklungen benutzte.

Zinsen – Einnahmen aus dem Nichts

Der Clou aber war: Für die 900 Rubel in Buchwerten, die Rothfell „verliehen“ hatte, indem er selber darüber die „Schecks“ ausstellte, bekam er 5 Prozent jährliche Zinsen. Das sind 45 Rubel. Nach einem Jahr hatte er daher 945 Rubel.

Aber was bezahlte er dafür? Er bezahlte 3 Prozent für Einlagen. Für 100 Rubel belief sich das auf 3 Rubel. Im Verhältnis von 9:1 Ausleihungen/Einlagen zahlte er also 3 Rubel aus und nahm 45 Rubel ein. Das brachte ihm 42 Rubel oder 42 Prozent Zinsen auf jede 100 Rubel ein, die ihm nicht gehörten, die er aber in seinem Besitz hielt! Die Leute aber glaubten, er erziele nur 2 Prozent! Und auch die anderen Goldschmieden rechneten so. Mit einem Federstrich machten sie Geld aus dem Nichts und verlangten obendrein noch Zinsen!

Die Regierung stellte jetzt das Geld her. Sie druckten die Scheine und prägten die Münzen. Zum „Verteilen“ gaben sie sie den Goldschmieden. Dass diese noch die Druckkosten übernahmen, freute die Regierung, sodass sie sich um mehr nicht zu kümmern brauchten. Die Bürger akzeptierten die Aussage, dass die Geldversorgung tatsächlich eine Regierungsangelegenheit sei. Sie glaubten auch fest daran, dass Rothfell Geld auslieh, welches ein anderer eingezahlt hatte. Sie fanden ebenfalls nie heraus, dass Einlagen sich nie verringerten, wenn eine Anleihe ausbezahlt wurde. Normalerweise entsteht irgendwo ein Loch, wenn Geld ausgegeben wird. Und dieses Loch sollte auf dem Konto der Person sein, die die Zinsen erhält. Aber das Rothfell-System hatte kein Leck. Bevor ein Loch wirklich entstand, war es schon durch die Münzen- und Notenversorgung der Regierung geflickt. Es war soviel „Geld“ im Umlauf, dass es von der „Regierungs-Noten-und-Münzen-Versorgungs-Gesellschaft“ einfach gedeckt werden musste!

Wenn jeder versucht hätte, seine Einlagen zur gleichen Zeit abzuheben, hätte die das System umgebende Sicherheitsmauer schwer gewackelt. Doch wer würde schon unter dem Argusauge der Banken riskieren, so etwas zu tun?

Irgendwo fehlen immer die 5 Prozent

Rothfells Ideen gingen weiter. Es sollten mehr und mehr Münzen und Noten in den Umlauf kommen, um Zuwächse zu fördern und die Produktion zu steigern. Und gegen eine geringe Druckgebühr wurden mehr Geldscheine in Umlauf gebracht.

Eines Tages kam ein Besucher zu Rothfell. „Die Zinsgebühren sind unmoralisch.“ sagte dieser. „Für ausgeliehene 100 Rubel verlangst Du nach einem Jahr 105 Rubel zurück. Die extra 5 Rubel existieren aber nicht, also können sie auch nicht zurückbezahlt werden.“ Rothfell wollte etwas erwidern, doch der Besucher sprach weiter: „Ackerbau erschafft Nahrungsmittel. Industrie stellt Waren her. Bergwerke produzieren Rohstoffe. Aber nur DU kannst Geld erzeugen.“ – „Na so etwas.“ lächelte Rothfell gelassen.

„Du scheinst mich nicht verstanden zu haben“, fuhr sein Besucher unbeirrt fort. „Nehmen wir einmal an, es gäbe nur zwei Geschäftsleute in der gesamten Gemeinde, und die beiden haben alle übrigen Leute in ihrem Dienst. Wenn ich der eine Geschäftsmann bin, mir 100 Rubel entleihe, und davon 90 Rubel in Löhnen, Gehältern und Unkosten auszahle, und wenn ich 10 Rubel als meinen Gewinn oder mein eigenes Einkommen einbehalte, dann habe ich die 100 Rubel verbraucht, richtig? Und wenn mein Konkurrent sich 100 Rubel leiht, um damit sein Geschäft zu führen, 90 Rubel in Kosten und Löhne auszahlt und sich ebenfalls erlaubt, 10 Rubel als Einkommen oder Profit zu behalten, dann hat auch er seine geliehenen 100 Rubel verbraucht, richtig?“ – „Richtig“, imitierte Rothfell den jungen Mann. „Summa summarum macht das 200 Rubel, geliehen und ausgegeben. Richtig?“ – „Ich sehe, Du kannst rechnen. Ich bin jetzt beschäftigt. Auf Wiedersehen.“ Rothfell wollte den Besucher zur Tür begleiten. „Ich bin noch nicht fertig!“ sagte der junge Besucher entschlossen. – „Dann mach mal weiter“, sagte Rothfell mit gelangweilter Stimme und unterdrückte ein Gähnen.

„Um Dich zu bezahlen, müssen wir, mein Mitwettbewerber und ich, unsere Produktion zusammengerechnet für eine Gesamtsumme von 210 Rubel verkaufen. Wenn es einem von uns gelingt, seine Ware für 105 Rubel zu verkaufen, so kann der andere nur noch 95 Rubel für seine Ware bekommen, da kein weiteres Geld zum Kauf im Umlauf ist. Er schuldet Dir dann 10 Rubel.“ – „Das ist doch sein Problem! Du verkaufst Deine Ware für 105 Rubel und bezahlst Deine Schulden. Was er macht, ist seine Angelegenheit, und wenn ich Du wäre, würde ich meine Nase nicht in anderer Leute Geschäfte stecken.“ entgegnete Rothfell.

Der Besucher beruhigte Rothfells aufkeimende Unruhe, indem er sagte, er sei nicht gekommen, um das System zu kritisieren, sondern um einen Vorschlag zu machen: „Warum gibst Du nicht 105 Rubel heraus, 100 für mich und 5 für Dich? Dann wären 105 Rubel im Umlauf, und es würde keine Schwierigkeiten bereiten, den vollen Kredit zuzüglich der Zinsen zurückzuzahlen.“ - Ein Schock ging durch Rothfells Körper. Sein System war in Gefahr und wurde in Frage gestellt! Doch er fasste sich schnell wieder und hielt dem jungen Mann einen langen Vortrag über das verzweigte, hochkomplizierte Wirtschaftssystem, das viel praktische Erfahrung und fachmännische Ausbildung benötige, um es ganz zu verstehen. Er gab ihm den Rat, härter zu arbeiten, um seine Produktion zu erhöhen, seine Ausgaben zu verringern und seine Leistungsfähigkeit zu steigern. „Ich bin immer bereit, Dir dabei zu helfen. Und alles zu tun, was in meiner Macht steht, sicher zu gehen, dass Du mit dem, was Du hast, weitermachen kannst.“

Einschüchterung der Wahrheitssuchenden

Und so verließ ihn der gescheite junge Mann tief beeindruckt, doch irgendwie enttäuscht. Er war überzeugt, dass irgendetwas mit Rothfells Ausführungen nicht stimmte, aber er kam nicht darauf, was es war. Er wusste nur, dass seine Fragen nicht zu seiner Zufriedenheit beantwortet worden waren. Auch als er anschließend Freunde und Bekannte fragte, bekam er immer wieder die gleichen Antworten: „Rothfell ist DER Experte. Schuster, bleib lieber bei Deinen Leisten!“ Sie wiesen ihn auf den Fortschritt hin, den die Gesellschaft seit der Einführung des neuen Systems gemacht hatte, und wie die Produktion in die Höhe geschossen sei.

Der junge Schuster blieb bei seinen Leisten und hinterfragte das System nicht länger.

Rothfell kaufte inzwischen einen ganzen Straßenblock auf, riss alle Häuser nieder und baute darauf eine Festung. Er kam inzwischen in die Jahre. Und im direkten Verhältnis zum zunehmenden Geldvorrat hatte die Lebenserwartung der Menschen, die immer mehr produzieren und leisten mussten, abgenommen. Um die Zinsen für das geliehene Geld zu verdienen, waren die Kaufleute, die Großindustriellen, die Fabrikanten und andere echte Erzeuger gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. Die Arbeiter beschwerten sich, dass ihre Löhne zu niedrig wa-ren. Die Bauern konnten ihre Produkte nicht zu dem Preis verkaufen, den sie erwirtschaften mussten, um weiter bestehen zu können. Hausfrauen beschwerten sich über die maßlosen Nahrungsmittelpreise und mussten mit weniger auskommen. Es hatte immer arme und reiche Leute gegeben, das war nichts Besonderes, und die Reichen halfen immer den Armen. Das ist ein alter Hut! Doch in Rothfell´s System waren kaum wohlhabende Menschen übriggeblieben, die den Armen helfen konnten, selbst wenn sie es gewollt hätten. Der gesamte Reichtum war in Rothfells Händen und denen seiner Kumpanen.

Schließlich begannen die Menschen zu streiken.

Wohlstand wurde nun ausschließlich in Geld gemessen. Vergessen war der wirkliche Reichtum der Gemeinde: der fruchtbare Boden, die rauschenden Flüsse und die ruhigen Seen voll mit Fischen, die schattigen Wälder mit Herden von Wild, die Bodenschätze, das gesunde Vieh. Die Menschen konnten nur noch an Geld denken, und das war IMMER knapp.

Doch sie wagten nie, das System in Frage zu stellen. Sie blieben uneingeweiht. Die Regierung hatte die Verantwortung, und sie hatten diese Regierung gewählt. Und schließlich sorgte die Regierung dafür, dass sie in Sicherheit ihren Geschäften nachgehen konnten.

Ein paar Schlauberger hatten ihr überschüssiges Geld, das sie verdient hatten, zusammen geworfen und „Kreditinstitute“ oder „Finanzhäuser“ gegründet. Sie waren in der Lage, 6 Prozent Zinsen zu erzielen, manchmal sogar noch mehr. Aber sie konnten nur das Geld verleihen, was ihnen auch gehörte. Sie hatten nicht diese magische Kraft, aus Nichts Geld zu machen, indem sie einfach Zahlen in ihre Bücher schrieben. Dieses Recht war ausschließlich den Rothfellers durch Regierungsbeschluss vorbehalten! Jawohl, durch Regierungsbeschluss!

Doch diese kleinen Banken störten Rothfell. So gründeten er und seine Kumpanen schnell eine Anzahl ähnlicher Geldinstitute, um den „Geldkleinkrämern“ Konkurrenz zu machen. Nach und nach zerschlugen oder übernahmen sie sie. Bald waren alle Konkurrenzunternehmen entweder restlos im Besitz oder unter dem Mantel von ROTHFELL & CO.

Verarmung der Gesellschaft

Die wirtschaftliche Lage wurde indessen immer schlechter. Gehaltsempfänger beschuldigten jetzt ihre Arbeitgeber des Profitmachens, während die Bosse ihrerseits kategorisch behaupteten, dass ihre Arbeiter faul waren. Die Regierung war nicht fähig, mit den anhaltenden Unruhen fertig zu werden und kam zu dem Beschluss, den Mittellosen unverzüglich zu helfen. Es wurden Wohlfahrtspläne aufgestellt und Gesetze formuliert, die die Leute zwangen, „freiwillig“ dazu beizusteuern. Die Bürger sahen es als selbstverständlich an, ihrem Nachbarn zu helfen, aber nicht durch ein von der Regierung forciertes „freiwilliges“ Hilfswerk. Nur der Anstand brachte die Menschen schließlich dazu, es doch zu tun. Am Anfang brachten die Wohlfahrtspläne etwas Erleichterung. Aber es dauerte nicht lange, bis die Probleme wieder in vollem Umfang da waren, und dann sogar mit viel mehr Nachdruck als zuvor. Um damit Schritt halten zu können, wurde mehr Geld in den Umlauf „gepumpt“. Die Kosten dieser „Hilfswerke“ stiegen ins Unermessliche, und die Größe des Verwaltungsapparates wuchs und wuchs.

Schließlich wusste sich die Regierung nicht mehr anders zu helfen, als sich von Rothfell Geld zu leihen. Sie hatten jedoch keine Vorstellung, wie sie die Kredite zurückzahlen sollten.

Die Armut unter den Menschen wurde immer schlimmer. Erzieher und Ärzte konnten nicht mehr bezahlt werden. Die Menschen blieben zuhause, bliesen Trübsal, klagten über ihre Misere. Dadurch blieben die öffentlichen Verkehrsmittel zum großen Teil unbenutzt, Geschäfte wurden weniger besucht, und so verlor ein Unternehmer nach dem anderen sein Geschäft. Die Regierung fühlte sich wiederum verpflichtet, diesen Leidenden zu helfen und übernahm lebensfähige Unternehmen. Lehrer, Ärzte, Kutscher und viele andere wurden zu staatlichen Angestellten. Die Menschen erhielten erträgliche Löhne, doch in der riesigen Maschinerie verloren sie ihre Individualität. Für Erfindungsgabe und Begeisterung war kein Platz.

Erneut bat die Regierung Rothfell um Rat. An wen sollten sie sich sonst wenden? Er war der einzige, der wusste, wie Geldprobleme zu lösen waren. Also gingen sie zu ihm und fragten ihn um Rat. Er empfahl ihnen folgendes: „Der einzige Weg, um unsere gefährdete und bedrohte Wirtschaft zu stabilisieren, besteht darin, von den Reichen zu nehmen und es den Armen zu geben! Besteuert sie! Je mehr sie besitzen, umso mehr müssen sie dafür bezahlen. Gebt den Unterbemittelten dann gerade so viel, wie sie zum unbedingten Überleben benötigen. Auf diese Weise können Schulwesen und Krankenhäuser kostenlos für Mittellose zugänglich gemacht werden!“

Die Abgeordneten sahen sich an. Peinlich! Warum hatten sie nicht an so eine einfache Lösung gedacht?

Bevor die Abgeordneten gingen, erinnerte Rothfell sie daran, dass sie noch einen ganz erheblichen Schuldenberg bei ihm abzutragen hätten. Die Augen der Abgeordneten senkten sich beschämt. „Aber Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen, liebe Freunde“, sagte Rothfell beschwichtigend. „Da es momentan so schlecht geht, bin ich natürlich gewillt, auszuhelfen. Wie immer! Warum begleicht Ihr deshalb nicht einfach nur die ausstehenden Zinsen? Wir können die Kapitalrückzahlungen zurückstellen, bis bessere Zeiten kommen. Bezahlt mir nur die Zinsen.“

Die Delegierten dankten ihm ehrfürchtig und führten anschliessend die abgestufte Einkommenssteuer ein, ein Steuersystem, welches auf der Voraussetzung basierte, dass je mehr man verdiente, man umso höhere Steuern bezahlen müsse. Die Erzeuger von Waren waren nun gezwungen, ihre Preise wieder zu erhöhen. Bald verlangten auch die Lohnempfänger mehr Geld, mit dem Ergebnis, dass zahlreiche Fabriken schließen mussten. Dadurch entstand umfangreiche Arbeitslosigkeit, und die Regierung wurde genötigt, weitere Sozialleistungen einzuführen. Tarife, Zölle, Steuern und andere Bremsen wurden eingeschaltet, um strategische Industrien in Betrieb zu halten, damit wenigstens einige Arbeitsplätze erhalten blieben.

Als die Lage immer schlechter wurde, führte die Regierung Lohn- und Geburtenkontrolle ein. Stempelgebühren, Mehrwertsteuer, Umsatzsteuer, Einkommens- und Lohnsteuer, Gewinnertragssteuer und Kirchensteuer wurden zu den Lasten, die die Erzeuger bereits zu tragen hatten, noch hinzugefügt.

„Experten“ strömten jetzt aus den Hochschulen, und viele von ihnen, ausgestattet mit Wissen, das ursprünglich von Rothfell kam, wurden in die Regierung gewählt. Jede „Überarbeitung“ des Steuergesetzes (was jedes Jahr stattfand), endete in immer höheren Steuern, so dass die Gürtel immer wieder enger geschnallt werden mussten.

Rothfell forderte unterdessen die Einhaltung seiner Zinszahlungen, und ein immer mehr anwachsender Teil der Steuereinnahmen wurden für diese Zahlungen aufgewandt. Oft mussten sich die Abgeordneten sogar was von ihm borgen, um die ausstehenden Zinsbeträge noch finanzieren zu können!

Einführung des Zinseszins

Der nächste Schritt nach unten kündigte sich mit der Einführung der „Parteien-Politik“ an. Die Menschen begannen zu debattieren, welche Gruppe Abgeordneter am besten geeignet war, ihre Probleme zu lösen. Persönlichkeiten, Parteinamen und Parteiideen wurden seziert. Über alles wurde gestritten, aber die tiefliegenden Gründe wurden dabei nie berührt.

Stadtverwaltungen gerieten in Bedrängnis. In einem kleinen Dorf überschritten nun die Schuldzinsen die Summe der eingehenden Jahressteuern. Überall, in den Gemeinden, im ganzen Land, häuften sich die unbezahlten Schuldzinsen. Und so wurde ein neues Gesetz erlassen: Zinsen durften für Schuldzinsen erhoben werden.

Der größte Teil des echten Reichtums fiel in die Hände von Rothfell und seinen Kumpanen (sie nannten sich jetzt Gesellschafter). Durch ihren immer mehr ansteigenden Reichtum gewannen sie mehr und mehr Herrschaft über das Volk. Aber es gab noch ein paar, die nicht mitspielten. Auch über die wollte Rothfell Kontrolle haben. Viele, die gegen das System protestierten, konnten durch finanziellen Druck gefügig gemacht werden. Oder sie konnten in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht werden! Rothfell wollte über Pläne nachdenken, wie man an diese Leute herankommen konnte. Also arrangierte er ein heimliches Treffen mit seinen „Gesellschaftern“, das er im „Rahmental“-Hotel stattfinden ließ. Bei diesem Treffen beschlossen sie, die Mehrzahl der Zeitungsverlage sowie die bedeutensten Radio- und Fernsehstationen zu erwerben, um sie nach ihren Richtlinien laufen zu lassen. Viele der Redakteure mögen geglaubt haben, sie trügen dazu bei, die Welt zu verbessern, merkten aber nicht, wie sie manipuliert wurden. Sie produzierten lediglich vorgefertigte Meinungen im Sinne der Rothfellers. Es machte keinen Unterschied mehr, welches Blatt man abonnierte, da jedes darauf getrimmt war, vom Nachdenken abzulenken. Die Presse übernahm dies völlig.

Kontrolle über die Menschen

Durch Erziehungs- und Ausbildungswesen und durch die Medien hatten sie nun nahezu die vollständige Kontrolle über den Verstand der Menschen. Es war ihnen gelungen, die Menschheit an den Punkt zu bringen, wo die Leute unfähig waren, für sich selber zu denken. Doch die Macht von Rothfell wollte erhalten werden. Die Menschen waren zwar unter Kontrolle, aber sie hatten immer noch Bargeld. Bargeld macht unabhängig. Und Unabhängigkeit durften die Massen nicht länger genießen. Was wäre, wenn die restlichen 10 Prozent zu viele Fragen stellen oder Nachforschungen betreiben würden?

Die vielen Kreditinstitute im ganzen Land waren im Privatbesitz, und theoretisch waren sie auch Konkurrenten. Doch in der Praxis sah es  anders aus. Sie gehörten alle entweder ROTH-FELL & CO. allein, oder er hatte die Aktienmehrheit. Sie arbeiteten in Wirklichkeit sehr eng zusammen.

Nach einem weiteren Treffen der „Rahmentaler“ (wie sie sich nannten), richteten sie ein Institut ein, das sie „Centrum für Finanz Reserven“ (kurz: C.F.R.) nannten, ein Institut, das den Anschein gab, eine Regierungsbehörde zu sein, die die Geldversorgung regulierte, zu der aber kein Regierungsabgeordneter je Zugang erhielt. Statt sich von Rothfell direkt Geld zu leihen, wandte sich die Regierung von nun an an den C.F.R., um sich Geld zu borgen. Als Sicherheit für ihre Kredite boten sie die geschätzten Einkünfte aus den Steuern des kommenden Jahres an. Rothfell tat das absichtlich, um jeden Verdacht von sich abzulenken und auf eine scheinbare Regierungsbehörde zu schieben. Hinter den Kulissen hatte er jedoch weiterhin die Kontrolle. Es war mittlerweile egal, welche Partei das Land regierte, die Fäden zog Rothfell. Die Regierung erhielt ihr Geld vom C.F.R., und Zinsen wurden immer für jeden Kredit berechnet. Wohlfahrt, Gesundheitswesen und anderes verbrauchten mehr und mehr von den Rücklagen der Regierung, und der Staat fand es immer schwieriger, die Zinsen zu bezahlen. Verständlicherweise wurde über die tatsächlichen Kredite kaum ein Wort verloren. Diese waren jetzt zu einem riesigen Schuldenberg aufgelaufen.

Die Massen fuhren fort, darüber zu debattieren: Geld ist ein System, das von Menschenhand geschaffen wurde. Sicherlich kann der Mensch es verändern, damit es ihm dient und ihn nicht beherrscht. Aber immer, wenn der Stimmenchor einen Höhepunkt erreichte, wurde künstlich eine „Panik“, ein „Börsensturz“ oder eine „Depression“ erzeugt, die sie schnell still werden ließ.

Regierungen wechselten wie Regierungen wechseln, Parteien änderten sich, wie Parteien sich eben ändern. Aber die Rothfell-Politik setzte sich fort, ungeachtet dessen, wer im „Weißen Haus“ saß. „Sein allerhöchstes Ziel“ (die Neue Weltordnung), wie es von seinen händereibenden Verschwörern ehrfurchtsvoll genannt wurde, kam mit jedem vorbeiziehenden Jahr einen Schritt näher.

Kreditkarten

Zehn Prozent des Geldvorrats war immer noch durch Münzen und Banknoten im Umlauf. Doch weil die Menschen noch Bargeld benutzten, waren nicht alle ihre Transaktionen verfolgbar. Sie hatten noch immer die Freiheit, zu wählen, was sie kaufen oder verkaufen wollten, waren in der Lage, die „Transaktions-Steuern“ durch Barzahlung zu umgehen und die Gewinne zu vertuschen.

So gab Rothfells Interessensgemeinschaft eine handliche Plastikkarte heraus, die den Namen und die Ausweisnummer der Person zeigte. Die Karten sahen hübsch aus und bald wurde ihr Aussehen durch das Hinzufügen eines schillernden kleinen Hologramms verschönert. Mit dieser Karte konnte man fortan bezahlen. Die Menschen nahmen diese kleine Karte sofort an.

Die Geschäftsdokumente, die bei der Bezahlung durch Karten Verwendung fanden, wurden in Rothfells „Zentralcomputer“ eingegeben, des Kunden Konto wurde belastet und der Geschäftsbesitzer fand auf seinem Konto am Monatsende das entsprechende Guthaben. So wie damals mit Rothfells Büchern. Selbstverständlich wurde die kleine Summe von 5 Prozent von jeder Transaktion als Belohung für Rothfells „Dienstleistung“ abgezogen. Selbstverständlich! Computer kosten ja Geld!

Um diesen Prozentsatz (die 5 Prozent fehlten ja immer noch!) nicht zu verlieren, erhöhten die Ladenbesitzer ihre Preise dementsprechend. Wenn aber ein Unternehmer, der seine Einnahmen erst nach Lieferung an seine Kunden erhielt, zu spät bezahlte und in einem Monat seinen Kreditstichtag überschritt, musste er 1,5 % Zinsen für jeden Monat, den er das Geld schuldete, an die „Organisation“ abführen. Im Jahr waren das dann 18 Prozent, und die Geschäftsleute hatten keine andere Wahl, als die 18 Prozent oder den entsprechenden Teil davon, auf ihre Verkaufspreise aufzuschlagen. Dadurch wurde noch einmal alles teurer, und es begann eine Inflation.

Die 18 Prozent waren selbstverständlich nicht im Umlauf! Es gab sie einfach nicht! Im ganzen Land war den Geschäftsleuten die unmögliche Aufgabe gestellt, 118 Rubel für jede geliehenen 100 Rubel zurückzuzahlen.

Wie vorher verstanden die Menschen nicht, was geschah und Rothfell und seine Kumpanen galten weiterhin als die „Fundamente der Wirtschaft“. Ihre öffentlichen Bekanntmachungen über Finanzmethoden, ihre Haushaltspläne und Sozialvorstellungen waren sozusagen in Stein gemeißelt.

Durch immer weiter ansteigende Steuern und Beschränkungen belastet, mussten viele mittelständische Betriebe schließen. Spezielle Lizenzen und Konzessionen waren nun Vorschrift für fast alle Betriebe. Viele von ihnen fanden es schwierig, mit dem verwaltungstechnischen Aufwand Schritt zu halten.

Rothfell besaß oder kontrollierte nun die großen Unternehmen mit ihren hunderten von Tochtergesellschaften. Von Außen sah es so aus, als ob sie nicht zusammengehörten und Konkurrenten waren. Die echten Konkurrenten blieben dabei bald zurück und verschwanden vom Markt, so dass es schließlich nur noch Unternehmen gab, die alle zum Rothfell-Clan gehörten.

Auf der Plastikkarte war inzwischen das Hologramm mit dem wirklichen Bild des Karteninhabers ersetzt worden. Und da die Karte nur ein Jahr Gültigkeit hatte, musste sich jeder einmal im Jahr melden, um ein neues Foto machen zu lassen. Wie damals veranlasste Rothfell, dass viele Karten gestohlen wurden. Im Grunde musste er es gar nicht mehr veranlassen, da so viele Menschen verarmt waren, dass die Kriminalität sowieso schon gestiegen war. Um zu „verhindern“, dass es weiter zum Diebstahl von Karten kam, wurde zum Vorteil aller eine weitere Regelung eingeführt. Die Ausweisnummer sollte künftig jedem in die Hand tätowiert werden, natürlich mit unsichtbarer Tinte, damit man nicht so entstellt aussah. Diese Tinte konnte unter einer speziellen Lichtquelle in einem Mini-Computer sichtbar werden. Solche Mini-Computer waren überall aufgestellt, in jedem Laden oder Supermarkt, an jeder Tankstelle, in jedem Restaurant, sogar in öffentlichen Toiletten und oben auf den Parkuhren. All diese Rechner waren an dem riesigen Zentralcomputer in Rothfells „Festung“ angeschlossen. Jede vertrauliche Einzelheit über jede Person wurde auf diese Weise festgehalten. Rothfell hatte die Kontrolle über jeden Menschen.

Der Schuldenberg war innerhalb von 87 Jahren von 1 Milliarde auf 2,5 Billionen Rubel angewachsen. Die Regierung besass zum Schluß nichts mehr, ebenso die Bürger. Den Banken gehörte alles. Und niemand ging mehr zum Goldschmied/zur Bank und bat darum, seine Goldmünzen ausbezahlt zu bekommen.

Gesetzt den Fall, solch ein System würde sich bei uns einschleichen, würde doch jeder sofort Ordnung in seinem Haushalt schaffen, so dass er nicht auf Kredite angewiesen wäre. Er würde die verlockende Reklame nicht weiter beachten und so viel wie möglich bar bezahlen. Bei Einkäufen würde er auf die 5 Prozent Rabatt bestehen, die in dem Kaufpreis eingeschlossen sein müssten, um als „Service“ an die Finanzhäuser abgeführt werden zu können. Irgendwann würde dann ein Loch auf den Guthaben-Konten bei den Banken entstehen. Und irgendwann würden Leute anfangen, den echten Wert ihrer „Quittungen“ zu hinterfragen. Und vielleicht irgendwann würde sich wieder eine normale Wirtschaft aufbauen, die auf echter Produktion basiert. Aber es hätte mit jedem einzelnen anzufangen.

SK, Quelle: „Moneymaker – oder die Geschichte vom gewinnbringenden Schuldenberg“, Miss Moneypenny, Michaels-Verlag/Edition Pandora 1995 (erschienen in LICHTSPRACHE Nr. 39, Mrz. 2006)

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